Tina hat ‘nen dicken Bauch! :-) Schwangerschaft und Rohkost?

Ich habe mich schon immer gefragt, wie es für schwangere Frauen so ist, schwanger zu sein. Schwebt man die ganze Zeit im Hormonchaos? Tut das weh, wenn der Bauch wächst? Muss man die ganze Zeit brechen? Und wie fühlt sich die Geburt an? Nun durfte ich dieses Wunder selbst erleben und lasse euch daran teilhaben.

Wenn man meinen Block kennt, bleibt natürlich die Frage nicht aus, wie ich mich in der Schwangerschaft ernährt habe. Die Bedenken und Ängste von Familie, Freunden, Ärzten und mir selbst sind enorm. Jeder will mitreden, denn jeder will ja eigentlich "nur das Beste" für das Baby. Auf einmal isst und lebt man nicht mehr nur für sich, sondern hat da eine große Verantwortung für seinen kleinen Schützling. Außerdem habe ich gemerkt, dass meine Schwangerschaft mein Körpergefühl komplett umgeworfen hat. Dabei hatte ich gedacht, meinen Körper haargenau zu kennen. Es ist eine wahnsinnig aufregende Zeit 🙂
Die ersten drei Monate

Als ich noch nicht wusste was los war, hatte ich trotzdem eine enorme Veränderung in meinem Körper gespürt. Ich konnte es nur noch nicht zuordnen. Irgendetwas war "anders". Ich fühlte mich nicht mehr ich selbst. Wie als steckte ich in einem anderen Körper. Die Emotionen schnellten hoch, ich hatte auf einmal Lust auf Burger, Pizza und Suppen und irgendwie war alles sch**** (schlecht 🙂 ) Mir war unwohl und als die Brust anfing zu spannen, war da so ein Verdacht da, was los sein könnte.
Mein Arzt bestätigte dann, was ich vermutet hatte. Er gab mir dieses berühmte quadratische Bild aus seiner Maschine, auf dem man die kleine Erdnuss erkennen konnte. Jetzt wusste ich es Weiß auf Schwarz, dass da ein kleines "Würmchen" in mir heran wächst. Überwältigt von Glücksgefühlen schwankte meine Stimmung bis hin zu Sorgen und Ängsten, ob das der richtige Zeitpunkt ist und ob wir das schaffen würden. Jetzt alles so plötzlich und ungeplant?! Aber es war der perfekte Zeitpunkt und jetzt kann ich sagen, dass es alles richtig war so wie es gekommen ist.

Mit der Ernährung war es zuerst ein harter Kampf meinen Prinzipien treu zu bleiben. Da waren diese fießen Gelüste, denen ich Herrin werden wollte. Mehr Hunger und Gewissensbisse forderten mich heraus. Wenn die rohköstliche Ernährung das Optimale für mich war. muss es nun als Schwangere doch auch das Beste sein, oder? Ist meine "Identität als Rohköstlerin" in Frage gestellt? ... Ich las ein paar Berichte von anderen "Rohkost-Muttis" und habe mich viel unterhalten und konnte mir dann schnell den Druck nehmen alles "perfekt" machen zu wollen. Ich habe für mich den Einklang gefunden, indem ich auf meinen Körper hörte, was er braucht. Und das hieß auch mal wieder ein Stück Käse oder ein Ei zu probieren, wenn das Verlangen da ist. Und meist stellte sich heraus, dass es beim einmaligen oder zweimaligen "Ausrutscher" blieb und ich die Nährstoffe auch gut aus Samen, Nüssen, Früchten und so weiter ziehen konnte.

Am meisten verwunderte mich, dass ich eine Abneigung gegen Salate und Gemüse entwickelte. Gekochtes schmeckte mir nun besser als Rohes, was zuvor ja das komplette Gegenteil war. Ich nahm dieses Gefühl einfach an. Außerdem hatte ich extrem Verlangen nach frisch gepressten Orangensaft, Bananen und sauren Früchten, ich hatte viel mehr Durst und Heißhunger auf kohlehydrathaltige Lebensmittel. Das Frühstück bestand meist aus viel Obst und dem Müsli á la Dr. Bruker mit frisch gekeimten Getreide. Ich hatte morgens viel mehr Hunger aber zugleich war die Übelkeit mein ständiger Begleiter. Durch das flaue Gefühl im Magen, wusste ich manchmal gar nicht, was ich essen soll damit ich zufrieden bin. Aber brechen musste ich zum Glück nie.
Wie ist das mit Nahrungsergänzungsmitteln? Als Schwangere wird man ja geradezu von allen Seiten gedrängt Präparate einzunehmen. Bei einem einzigen Präparat habe ich dem Druck nachgegeben, weil ich unsicher war. Ich nahm "Folio" ein für eine ausreichende Folsäurezufuhr. Nach drei Tagen bekam ich einen schrecklichen Ausschlag und fühlte mich gar nicht gut. Dann setzte ich die Einnahme wieder ab. Mein Körper wehrte sich offensichtlich dagegen. Und das zurecht. Dieses Nahrungsergänzugsmittel hat einige schlechte Nebenwirkungen über die man aber nicht informiert wird. Nochmal würde ich es nicht einnehmen und auch nicht empfehlen. Ich informierte mich welche Mineralien und Nährstoffe man als Schwangere verstärkt braucht und versuchte dies über die Ernährung auszugleichen. Dabei zeigte sich, dass genau die Nährstoffe, die ich in der jeweiligen Phase benötigte, genau in den Lebensmitteln drin waren, auf die ich besonders Lust hatte. Zum Beispiel beinhalten Orangen einen sehr hohen Gehalt an Folsäure. Deswegen das tägliche Verlangen nach frisch gepressten Orangensaft und Früchten. Da erkannte ich, dass ich auch in der Schwangerschaft meinem Körper Vertrauen schenken konnte, dass er mir zeigt, was ich brauche.
Meine Fitness? In den ersten drei Monaten war ich sehr sehr müde, unfit und abgechlagen. Ich brauchte mindestens 12 Stunden Schlaf am Tag. Manchmal bin ich nur aufgestanden, um auf Arbeit zu gehen und danach gleich wieder ins Bett. Mein Kälteempfinden war viel sensibler. So sehr gefröstelt hatte ich lang nicht mehr. Ich bekam schneller Rückenschmerzen (die Muskeln lockerten sich) und meine sonst täglichen Spaziergänge reduzierten sich auf ein- bis zweimal die Woche. Nachts musste ich mindestens einmal raus zur Pipibox und tagsüber gefühlt aller 5 Minuten. Das ist aber alles normal für die ersten drei Monate. Danach wurde es besser.

Der vierte bis sechste Monat - die schönste Phase in der Schwangerschaft

Pünktlich - wie im Schwangerschaftslehrbuch beschireben - war die Morgenübelkeit ab dem vierten Monat verschwunden. Das Essen machte wieder Spaß und das merkte man mir an. 🙂 Ich speißte vielseitig und nach Lust und Laune. Allerdings hatte ich nun ständig einen aufgeblähten Bauch, egal was ich aß. Ich musste die Familie und Freunde vertrösten, dass es doch noch nicht das Baby ist, das sich zeigt, sondern meine Verdauung. Und wenn wir schon bei dem Thema angelangt sind... die Verdauung wird leider immer träger. Jeder feste Toilettengang fühlt sich an wie Steine werfen. Da hilft es sehr viel zu trinken und viel frisches Obst und Gemüse zu essen und sich viel zu bewegen. So läuft's auch gleich wieder mit der freien Fahrt nach draußen.

In der 12. bis 14. Schwangerschaftswoche durfte ich eine tolle Reise nach Australien unternehmen. Was bei uns ein nass-kalter März war, zeigte sich "dort unten" als ein wunderschöner Spätsommer. Durch die warmen Temperaturen hatte ich wieder viel mehr Lust auf Salate, frisches Obst und Gemüse. Ich freute mich darüber; das machte mir das Essen leicht. Außerdem ist das "raw food" in Australien sehr weit verbreitet. Ich konnte immer mal einen Energieball erhaschen.
Meine Sportlust war wieder da. Nicht zu hundert Prozent aber es war viel besser als in den ersten drei Monaten. Wandern, Fahrrad fahren, Yoga, Spazieren gehen... Manchmal habe ich es im Eifer vielleicht übertrieben, aber das zeigte der Körper sofort und sagt wann die Grenze erreicht ist. Viel Bewegung tat mir immer gut. Das half gegen Rückenschmerzen und dicke Wasserbeine. Der Schlaf war in dieser Zeit allerdings immernoch mein bester Freund. Ich weiß nicht mehr wie oft ich verschlief und meine Freunde vertrösten musste mit Nachrichten wie "ups. Schon wieder eingeschlafen" und "sorry. Habs verpennt. Das wird heut nix mehr bei mir"
Nahrungsergänzungsmittel nahm ich weiterhin keine. In den mittleren Monaten (vier bis sechs) war es vor allem wichtig Magnesium zu sich zu nehmen, was gegen Krämpfe in den Beinen half. Und da ich magnesiumhaltige Lebensmittel (wie zum Beispiel Kürbiskerne, Sesam Amarant...) aß, hatte ich auch keine Probleme mehr mit den Krämpfen. Die Stunde der Wahrheit fiel immer zum nächsten großen Bluttest. Meine Tests fielen stets sehr gut aus. Das freute mich und beruhigte auch die Ärzte, dass mein Baby gesund ist. Dabei wusste ich immer, dass alles ok und gesund ist. 🙂 Der einzige Wert, der aber bei jeder Frau sinkt, war mein Eisenwert. "Omatipp" meiner Hebamme: ein paar Eisennägel in einen Apfel stecken und über Nacht im Kühlschrank stehen lassen. Am nächsten Tag kann der Apfel verzehrt werden. Durch das Vitamin C im Apfel wird das Eisen vom Körper zudem besser aufgenommen. So einfach. Und Keine blöden Nebenwirkungen.


Monate sieben bis neun - Endspurt

"Tina, du hast eine schöne Ausstrahlung" ... Schöne glänzende Haare, zufriedener Gesichtsausdruck, rosige Wangen. Ein Hoch auf die Hormone! 🙂 Solche Komplimente hört eine Schwangere im Endstadium immer gern, denn man selbst sieht seinen Bauch immer wuchtiger werden und von den schwabbeligen Schenkeln und Oberarmen ist Frau so ganz und gar nicht begeistert. Ich konnte am Ende meine Füße nicht mehr sehen und der Bauch war so groß, dass ich beim Essen immer drauf kleckerte. Ich war das Krümelmonster in Person tagsüber und nachts des dicke Walross, das sich von links nach rechts und umgekehrt wälzte. Also, wenn ihr einer befreundeten Schwangeren begegnet, dann schmeichelt ihr wie schön sie ist und starrt nicht permanent auf ihren kollosalen Bauch. 😉 Auch im Kopf wurde ich träge. Die Vergesslichkeit und geistige Unlust waren meine best friends aber zum Glück nicht for ever. Als ich ständig die tollsten Einfälle von einer auf die andere Sekunde vergaß, fühlte ich mich total neben der Spur. Ohne To-do-Liste wäre ich aufegschmissen gewesen.

Das Essen machte nun so richtig Spaß, denn ich hatte stets Hunger. Ganz wichtig war es, auf dem Nachttisch neben dem Bett ein Getränk und ein Snack zu haben, denn ich wachte mindestens ein mal in der Nacht auf und hatte höllischen Durst und Hunger auf mein Wasser und meine Banane. Demnach musste ich auch besonders oft auf's Klo. Ich aß sehr viel Obst. Besonders Appetit hatte ich auf Saures. Gemüse, Nüsse und Vollkornprodukte standen auch auf dem Speiseplan. Worüber ich überrascht war, dass die Fleischvöllerei bei mir ausblieb. Manche Frauen bekommen ja so eine ultimative Lust auf Fleisch in ihrer Schwangerschaft. Ich hatte interessehalber mal Fleisch probiert um zu sehen, was es auslöst. Aber lecker war es nicht und gebraucht hatte ich es auch nicht. Dagegen schmeckte mir Käse unheimlich gut. Davon naschte ich schon immer mal. Fressattacken gab es bei mir allerdings nicht. Ich habe immer versucht bewusst zu essen. Im achten Monat hatte ich neun Kilo zugenommen und das ist absolut moderat und nicht viel.

Bis kurz vor dem Ende der Schwangerschaft war ich noch mobil und aktiv. Das Fahrrad Fahren machte mir Spaß und fiel mir leichter als lang zu laufen. Im gemütlichen Gang und ohne Zeitdruck war das ein Genuss. Meinen Yogakurs besuchte ich noch lange. Bis kurz vor dem achten Monat konnte ich noch arbeiten. Allgemein ging es mir sehr gut. Ich musste mit allen Tätigkeiten nur langsamer machen und einen Gang runter fahren. Das war die Zeit in Gemütlichkeit zu schwelgen und sich auf die Zeit mit Baby vorzubereiten.
Zurück zum Anfang... Schwanger sein ist überwältigend, toll, einzigartig und herausfordernd. ... Gibt es ein Hormonchaos? Zum akuten Zeitpunkt des Chaos' der Frau würde ich sagen, dass alle Raufereien Sinn machen. Im Nachhinein, wenn ich so darüber seniere, gab es vielleicht aber nur vielleicht die ein oder andere Übertreibung 😉 ... Tut der Bauch weh, wenn er wächst? Bei mir tat es nie weh, wenn der Bauch wuchs. Ich hatte zum Glück keine Dehnungsstreifen. Und auch sonst sehe ich nun wieder aus wie zuvor. ... Muss man sich dauernd übergeben? Brechen musste ich nie. Nur die ersten drei Monate musste ich die Übelkeit ausstehen. Aber gegenüber den schlimmen Kotzattacken von anderen Frauen, was ich hörte, blieb bei mir alles trocken und harmlos. ... Tja und die Geburt? Wie die sich anfühlt ist nochmal ein langes Thema für sich. Sie ist auf jeden Fall eine intensive Urgewalt und Grenzerfahrung. Ein Ausnahmezustand.

Ich empfand die Schwangerschaft als eine ganz besondere Lebensphase, in der ich noch einmal mehr meinen Körper lesen lernte. Es ist ein wahnsinniges Wunder, dem wir Frauen zuteil werden dürfen. Ich merkte, dass ich meinem Körper vertrauen kann, dass er mir zeigt, was für mich und das Baby gut ist. Und solang wir dieses Gespühr noch haben, sollten wir auf unser Bauchgefühl hören, denn das ist instinktiv das Richtige. Und ganz wichtig: Man kann die Frauen untereinander nicht vergleichen. Es gibt kein "du solltest" oder "du musst". Jede Frau erlebt ihre Schwangerschaft anders. Man kann dieses absolut individuelle Naturphänomen nicht in eine Regel pressen. Es ist eine ganz besondere Zeit. Es ist DEINE Zeit. Und dass ich diese intensive Erfahrung durchleben durfte, bin ich unheimlich dankbar.

eure stolze Mama eines wundervollen Sohnes
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